Übergardinen konfektionieren

In diesem Blogbeitrag zeigen wir dir Schritt für Schritt, wie eine unifarbene Übergardine konfektioniert wird.
Als Beispiel fertigen wir 1 Paar Übergardinen mit einer Höhe von 270 cm und einer Breite von 500 cm an, ausgeführt mit einer einfachen Falte. Die Gardinen werden mit einer Bandhöhe von 9,8 cm, einem einfachen Bodensaum von 10 cm und doppelten Seitensäumen von jeweils 2,5 cm konfektioniert.

Begriffe

In dieser Anleitung verwenden wir einige Fachbegriffe, wie sie auch im Gardinenatelier üblich sind:

  • Vorderseite (Rechte Seite) = die Zimmerseite des Stoffes.
  • Rückseite (Linke Seite) = die Rückseite (Fensterseite) des Stoffes.
  • Fertigbreite = die endgültige Breite der Gardine inklusive einer kleinen Zugabe, damit die Vorhänge das Fenster optimal abdecken (auch wenn das Band leicht einläuft).
  • Fertighöhe = die Gesamthöhe der Gardine von der Unterkante bis zur Oberkante, inklusive Köpfchen.
  • Webkante (Selbkante) = die gewebten Außenkanten des Stoffes.

Stoffmenge berechnen

Bei einem unifarbenen Stoff mit einer Warenbreite von 140 cm benötigen wir folgende Bahnenlänge:

  • 270 cm: Fertighöhe der Gardinen
  • 10 cm: für den Bodensaum
  • 10 cm: für die Bandhöhe
  • ca. 7 cm: Sicherheitszugabe für den Zuschnitt
  • Gesamt: 297 cm pro Stoffbahn

Die Gesamtbreite des Gardinenpaars beträgt 500 cm, also 250 cm links und 250 cm rechts.
Für eine einfache Falte benötigen wir einen Stoffzusatz van mindestens 150 % und maximal 200 %.

  • Min.: 250 cm x 1,5 = 375 cm : 140 cm (Stoffbreite) = 2,6 Bahnen pro Seite
  • Max.: 250 cm x 2,0 = 500 cm : 140 cm (Stoffbreite) = 3,57 Bahnen pro Seite
    Wir entscheiden uns für 3 Bahnen pro Seite, was einer Stoffbreite von 420 cm entspricht.

Wir benötigen also insgesamt 3 + 3 Bahnen à 297 cm Stoff = 17,82 Meter.

Messen

Bevor du mit dem Zuschneiden beginnst, kontrolliere den Stoff immer auf Webfehler und die korrekte Menge. Im Gardinenatelier geschieht dies auf langen Schneidetischen.
Beim Ausrollen findet die erste Kontrolle statt. Dabei wird die Unterkante gerade abgeschnitten – idealerweise fadengerade (wenn der Fadenlauf exakt gerade ist), andernfalls mithilfe einer Richtlatte rechtwinklig zur Tischkante.

Zeichne Markierungen immer auf der Rückseite (linke Stoffseite) mit einem Bleistift oder Schneiderkreide an – NIEMALS MIT EINEM KUGELSCHREIBER!
Setze eine kleine Markierung an der Webkante bei 297 cm, ziehe die Rolle weiter (Stoff dabei erneut kontrollieren), setze die nächste Markierung bei 297 cm und so weiter. Erst wenn alle Markierungen gesetzt sind und du sicher bist, dass genügend Stoff vorhanden is, wird geschnitten.

Zuschneiden

Das Zuschneiden im Profi-Atelier erfolgt maschinell mit einem Schneidautomaten. In unserer Anleitung arbeiten wir auf dem Tisch mit einer Suprena-Handschneidemaschine – du kannst aber natürlich auch eine normale Stoffschere verwenden.

Die Unterkante wurde bereits begradigt, die Rückseite des Stoffes zeigt nach oben. Setze nun links und rechts ein kleines Kreuz auf die Webkanten, damit du weißt, wo unten und hinten bei den Bahnen ist. Ziehe gleichzeitig eine Linie bei 20 cm ab der Unterkante für den Saum.
Ziehe die Rolle bis zur ersten Markierung durch, zeichne eine Linie (fadengerade oder mit einer Latte), setze links en rechts ein Kreuz und schneide die erste Bahn ab. Wiederhole dies, bis alle 6 Bahnen zugeschnitten sind.

Bahnen zusammensetzen

Jetzt werden die einzelnen Stoffbahnen miteinander verbunden. Lege dazu jeweils zwei Bahnen mit den Vorderseiten (rechte Seiten) und den Webkanten exakt aufeinander. Nutze eine Overlockmaschine zum Zusammennähen. Wenn alles bündig liegt, schließen die Bahnen oben und unten genau gleich ab. Setze so 2 x 3 Bahnen zusammen.

Der Bodensaum

Da wir einen einfachen Bodensaum verwenden, versäubern wir die Unterkante mit einer Overlockmaschine und farblich passendem Garn.
Danach schlagen wir den Stoff bis zur angezeichneten Linie um. So entsteht ein sauberer Bodensaum von 10 cm. Dieser wird idealerweise mit einer Blindstichmaschine gesäumt, kann aber natürlich auch normal gesteppt werden.

Auf Höhe schneiden und Band annähen

Jetzt werden die Gardinen auf die exakte Fertighöhe gekürzt. Warum erst jetzt? So berücksichtigen wir ein eventuelles Einlaufen des Stoffes beim zwischenzeitlichen Bügeln der Bahnen.
Die gewünschte Fertighöhe beträgt 270 cm. Da der Bodensaum bereits fertig ist, benötigen wir: 270 cm + 10 cm für das Band = 280 cm. (Warum 10 cm statt 9,8 cm? Der Stoffbruch schluckt beim Umlegen immer ein paar Millimeter).
Lege die Gardinen flach aus, misst von der Unterkante des Saums an mehreren Punkten nach oben und schneide den Stoff an der Oberkante exakt bei 280 cm ab.

(Im Gardinenatelier werden die Vorhänge am Saum aufgehängt und an der Oberkante exakt auf Maß abgeschnitten).

Das Gardinenband wird zunächst bündig an die Oberkante des Vorhangs geknüpft (gelockt). Danach klappst du das Band einmal auf die Rückseite um und nähst es unsichtbar (blindsaum) oder steppst es direkt auf der Overlocknaht fest.

Seitensäume

Die Seitensäume faltest du einmal ca. 2,5 cm nach hinten um und schlägst sie anschließend nochmals ca. 2,5 cm ein (Doppeleinschlag). Wenn der Stoff kaum Eigenelastizität hat, kannst du unten in die Ecken Bleigewichte in Vliestaschen einlegen. Ein Blindsaum sieht auch hier am schönsten aus, alternativ kannst du den Saum feststeppen. Die Unterkante des Seitensaums wird zugenäht, damit das Bleigewicht nicht herausfallen kann.

Die Falten berechnen

Im Atelier nutzt man einen Faltenautomaten, der die Falten legt und die Haken direkt einnäht. Die Kunststoff-Falthebelhaken kannst du jedoch auch mit einem Reißverschlussfuß auf deiner Haushaltsnähmaschine einnähen. Dabei ist es egal, welche Marke du nutzt (Microflex, Conflex, Vakoflex oder Mobyflex) – wichtig ist nur die Standardlänge von 9,5 cm.

Wir möchten einen Zwischenraum von 10 cm zwischen den Falten haben.

  1. Messe die Stoffbreite zwischen den fertigen Seitensäumen (In unserem Beispiel: 400 cm).
  2. Die gewünschte Fertigbreite beträgt 250 cm : 10 cm (Zwischenraum) = 25 Zwischenräume. Dadurch ergeben sich 26 Falten.
  3. Rechnung: 400 cm Stoff - 250 cm Fertigbreite = 150 cm Reststoff für die Falten.
  4. 150 cm : 26 Falten = 5,8 cm Stoffverbrauch pro Falte (Die Faltentiefe beträgt somit 5,8 : 2 = 2,9 cm).

Setze nun die erste Stecknadel direkt neben den Seitensaum, die zweite nach 5,8 cm, die dritte nach 10 cm, die vierte nach 5,8 cm und so weiter.

Falls du einen kleineren Zwischenraum von 8 cm wünschst, lautet die Berechnung:

  • 250 cm : 8 cm = 31,25 (aufgerundet 31 Zwischenräume)
  • 400 cm - 250 cm = 150 cm Reststoff für Falten
  • 150 cm : 32 Falten = 4,6 cm pro Falte
  • Die Nadeln werden dann wie folgt gesetzt: 1. Nadel neben dem Saum bei 2,5 cm, 2. Nadel nach 4,6 cm, 3. Nadel nach 8 cm, 4. Nadel nach 4,6 cm usw.

Falten nähen

Wenn die Aufteilung stimmt, geht es an das Faltenlegen!

Lege die 1. Nadel exakt auf die 2. Nadel und steppe die Falte (mit oder ohne eingelegten 9,5 cm Haken) gerade nach oben über die gesamte Höhe des Bandes ab. Achte darauf, dass die Oberkante des Hakens bündig mit der Oberkante des Gardinenbandes abschließt.
Überspringe den berechneten Zwischenraum und nähe die nächste Falte ab – wiederhole dies bis zum Ende.

(Foto-Hinweis: Im Profi-Atelier näht ein Faltenautomat diese Falten – wie z. B. Doppelfalten – vollautomatisch).

Wenn du dich dafür entscheidest, keine Haken direkt einzunähen, sondern nachträglich Steckhaken zu nutzen, hast du zwei Optionen: Haken mit 2 Beinen (ein Bein wird links und ein Bein rechts neben der Falte in das Band geschoben) oder Haken mit 1 Bein, bei denen das einzelne Bein direkt in die Falte geschoben wird.

Viel Erfolg beim Selbermachen!


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